Fragen nach der gesellschaftlichen – und damit auch der schulischen – Relevanz von Gegenständen und Wissensformen der germanistischen Mediävistik werden schon lange im Krisenmodus verhandelt. Die aktuellen gesellschaftlichen Umbrüche, politische Desta-bilisierungen, der mediale Wandel und die epistemologische Revolution durch die Implementierung von ‚künstlicher Intelligenz‘ erhöhen noch einmal deutlich spürbar den Druck – könnten aber zugleich neue Chancen eröffnen, den gegenwartsbezogenen Wert der spezifischen Analysefähigkeiten und Denkformen einer historischen Text- und Medienwissenschaft anders als in eingeschliffenen Argumentationsmustern zu begründen.
Der Workshop soll in diesem Sinn nicht den überkommenen Krisendiskurs fortsetzen, sondern Gelegenheit zum produktiven Austausch über neue Perspektiven auf ‚Mediävistik für die Schule‘ und zu Planspielen einer konkreten didaktischen Gestaltung geben. Er dient aber nicht nur der germanistisch-mediävistischen Selbstverständigung: Herzlich eingeladen sind alle Interessenten auch aus benachbarten Fachteilen und Disziplinen!
Anlass der Veranstaltung ist ein Buchprojekt, das die beiden Autor:innen, PD Dr. Daniela Fuhrmann (Freiburg) und Dr. Thomas Müller (Zürich), im ersten Teil des Workshops vorstellen werden: Das Projekt führt ältere Literatur mit gegenwärtigen Refigurationen im Blick auf eine didaktische Umsetzung zusammen. Im Zentrum soll dabei die Frage stehen, wie vormoderne Texte über spezifische Denkfiguren in späteren literarischen, audiovisuellen und digitalen Medien ‚weiterleben‘ und wie sich diese Prozesse so beschreiben lassen, dass weder die Eigenlogik der vormodernen Texte verloren geht noch die gegenwärtige Rezeption als bloße Popularisierung herangezogen würde, um das mittelalterliche Material attraktiver und zugänglicher zu gestalten. Leitend ist vielmehr ein Zugriff, der mittelalterliche und moderne Gegenstände über geteilte mediale Dynamiken aufeinander bezieht.
Daraus ergibt sich für Fuhrmann und Müller nicht nur ein Forschungsfeld zur Rezeption des Mittelalters bis in die Gegenwart, sondern auch eine produktive Schnittstelle zur Literatur- und Mediendidaktik.
Die Projektvorstellung im ersten Teil des Workshops bildet (nach einer Pause) den Ausgangspunkt zu offenen weiterführenden Gesprächen im zweiten Teil der Veranstaltung. Dafür ist bewusst kein Programmraster vorgegeben.
Sehr willkommen sind in diesem Rahmen weitere Statements, kurze Impulsreferate oder Präsentationen eigener ‚Planspiele‘ zur Didaktik der germanistischen Mediävistik, aber auch anderer historischer Text- und Medienwissenschaften! Wer auf diese Weise etwas in die Diskussion einbringen will, kann sich gerne mit einer kurzen Nachricht bei Michael Waltenberger melden: m.waltenberger@lmu.de
Um Anmeldung per Mail wird bis 22. Juni 2026 gebeten: m.waltenberger@lmu.de