DiSo-SGW / EFT A *Deutsch

Antisemitismuskritische Bildung in Zeiten der Postdigitalität

Kurz-Beschreibung und Ziele des Projekts

Im Projekt DiSo-SGW / EFT A*Deutsch wurden hybride Fortbildungsangebote für Deutschlehrpersonen zur antisemitismuskritischen Bildung in der postdigitalen Welt entwickelt, erprobt und evaluiert. Ziel war es, Lehrpersonen in ihrer professionellen Handlungssicherheit im Umgang mit Antisemitismus, digitalen Radikalisierungsdynamiken und diskriminierungskritischer Bildung zu stärken. Die praxisnahen Module verbinden wissenschaftliche Erkenntnisse mit innovativen didaktischen Formaten wie Rollenspielen, KI-gestützten Lernumgebungen und reflexiven hybriden Lernsettings. Lehrpersonen werden dabei unterstützt, eigene Positionierungen kritisch zu reflektieren und antisemitismuskritische Perspektiven bewusst und professionell im Deutschunterricht zu verankern.

Detail-Beschreibung

Das Projekt DiSo-SGW / EFT A*Deutschdidaktik sah die Zusammenarbeit mehrerer Universitätsstandorte vor: Im Team mit Forschenden der Universitäten Bamberg und Erlangen-Nürnberg entwickelte, evaluierte und implementierte eine Arbeitsgruppe an der LMU München verschiedene Fortbildungsangebote zur Stärkung digitaler Textsouveränität von Deutschlehrpersonen in allen Ausbildungsphasen. Zudem arbeitete das Team eng mit der EFT B-Gruppe am Standort München zusammen.

Der Schwerpunkt des Teilprojekts lag auf der Entwicklung von Fortbildungen zur antisemitismuskritischen Bildung im Deutschunterricht unter postdigitalen Bedingungen. Damit wurde ein Themenfeld von besonderer gesellschaftlicher Aktualität und Relevanz fachdidaktisch konkretisiert und mit Perspektiven einer forschungsbasierten Professionalisierung von Lehrpersonen verknüpft. Die Entwicklung des Angebots basierte auf einer fundierten Aufarbeitung des Forschungsstands sowie auf einer empirischen Bedarfserhebung in der Praxis. Diese erfolgte mittels Gruppendiskussionen mit Lehrpersonen und Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern weiterer relevanter Perspektiven (u. a. mit Extremismusbeauftragten sowie Mitarbeitenden des Projekts „Meet a Jew“).

Das Fortbildungsangebot, das sich auf dieser Grundlage entwickeln ließ, wurde zunächst mit Studierendengruppen pilotiert; anschließend wurde es in mehreren Durchläufen in Kooperation mit regionalen Fortbildungsinstituten (Institut für Pädagogik und Schulpsychologie Nürnberg, Hamburger Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung in Schulen, Hessische Lehrkräfteakademie) gemeinsam mit Lehrpersonen erprobt und reflektiert. Fortbildungen bieten in hybriden Lernräumen gezielt Möglichkeiten zur Wissensentwicklung, zur kritischen Reflexion sowie zur eigenen Positionierung.

Die Fortbildungsangebote wurden bewusst hybrid konzipiert und führen analoge und digitale Handlungsräume zusammen. Eine zentrale Funktion nehmen dabei Rollenspiele ein, die im Rahmen des Projekts eigens entwickelt wurden: Mit ihrer Hilfe können die Teilnehmenden Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit Antisemitismus praktisch erproben. Die Rollenspiele basieren auf realen Erfahrungen aus der Schulpraxis, die entweder in der Forschungsliteratur dokumentiert sind oder im Rahmen der Projekterhebungen gewonnen, ausgewertet und narrativ verdichtet wurden. Darüber hinaus entstand parallel zur Projektarbeit ein KI-gestützter Chatbot zur Lebensgeschichte eines Holocaust-Überlebenden Ernst Otto Krakenberger (geb. 1940). Dieses Angebot ermöglicht Lehrpersonen, auf der Grundlage seiner biografischen Erfahrungen differenzierte und zugleich authentizitätsnahe Zugänge zum Thema Antisemitismus für den Unterricht zu erschließen. Nicht zuletzt wurden erste konzeptionelle Grundlagen für eine neue VR-Experience mit dem Titel „Down the Rabbit Hole“ einbezogen, mit deren Hilfe Radikalisierungsdynamiken in sozialen Medien erfahrbar und analysierbar gemacht werden können. Die Evaluation der Fortbildungsangebote unter den teilnehmenden Lehrpersonen fiel durchweg positiv aus. Aus Sicht der Lehrpersonen leisteten die Fortbildungen allgemeiner einen wichtigen Beitrag zur Stärkung ihrer Handlungssicherheit im Umgang mit Themen wie Demokratiebildung und diskriminierungskritischer Bildung unter den spezifischen Bedingungen der postdigitalen Welt. Hier bietet die Projektergebnisse hervorragenden Anschlussmöglichkeiten für künftige Forschungsprojekte.

Wichtige Meilensteine und Ergebnisse

  • Erschließung der Forschungslage im Team mit Forschenden der Universitäten Bamberg und Erlangen-Nürnberg sowie mit Vertreter:innen aus der Gruppe EFT-B
  • Empirische Bedarfserhebung durch Gruppendiskussionen und Leitfadeninterviews
  • Entwicklung innovativer Lehr-Lernformate (Rollenspiele, KI-Chatbot, VR-Konzept)
  • Erfolgreiche Kooperation mit regionalen und überregionalen Fortbildungsinstituten und erfolgreiche Erprobung der Fortbildungsangebote in der Praxis
  • Positive Evaluation der bisherigen Angebote durch teilnehmende Lehrpersonen

Relevante Materialien

a. Logo
b. Links, Dateien, Materialien für die Webseite, Digitale Medien, Videos

Beschreibung des Angebots: Antisemitismuskritische Bildung im Deutschunterricht und digitale Medien.
https://digitale-souveränität.online/index/d_08.html

Verknüpfung der Projektergebnisse mit der LediZ-Seite der LMU München (Chatbot mit dem Holocaust-Überlebenden Ernst O. Krakenberger):
www.edu.lediz.lmu.de/wordpress/interaktive-digitale-zeugnisse/

c. Entwickelte und verfügbare Lehr-Lernmaterialien

Ballis, A., Grötzbach, D., & Veeh, M. (2025). Antisemitismus in der Schule erkennen, reflektieren, bewältigen: Rollenspiele für Lehrkräfte. München.
https://turtle-vr.de/wp-content/uploads/2025/11/Rollenspiele_DTRH_LMU_20250113.pdf

Ballis, A., Hahn, S., Hüttl, E., & Veeh, M. (2025). Digitale Medien und antisemitismuskritische Bildung im Deutschunterricht. In Kompetenzverbund lernen:digital (Hrsg.), Deutsch und Deutsch als Zweitsprache: Unterrichtskonzepte und Forschungsangebote (S. 20–24). https://lernen.digital/wp-content/uploads/2025/02/Broschuere_SGW_Deutsch_digital.pdf

Hahn, S., & Ballis, A. (2025). #DE:CODE. Handreichung zu Down the Rabbit Hole: Sensibilisierung und Aufklärung zu Hidden Codes und menschenverachtenden Narrativen im virtuellen Raum. München. https://turtle-vr.de/wp-content/uploads/2025/11/Handreichung_LMUMuenchen_DeCode_SCREEN.pdf

Projektleitung, Projektbeteiligte, Ansprechpartner:innen für Rückfragen

Prof. Dr. Anja Ballis (anja.ballis@lmu.de)
Svenja Hahn (svenja.hahn@lmu.de)
Ernst Hüttl (ernst.huettl@lmu.de)
Dr. Michael Veeh (michael.veeh@lmu.de) (Ansprechpartner für Rückfragen)

Publikationen

Wissenschaftliche Publikationen mit peer review

1. Ballis, A. (2025). „Ja, aber ist das eine Aufgabe des Deutschunterrichts?“: Antisemitismuskritische Bildung im Deutschunterricht und in der Deutschdidaktik. Didaktik Deutsch, 58. https://doi.org/10.21248/dideu

2. Ballis, A., Hahn, S., Hüttl, E., & Veeh, M. (2026, im Druck). „Da fehlt auch oft so ein bisschen der Mut“: Fortbildungsmodule zu antisemitismuskritischer Bildung im Deutschunterricht. In J. Jennek, K. Scheiter, D. Richter, & J. Brüggemann (Hrsg.), Kompetenzzentren für digital gestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung. Waxmann.

3. Ballis, A., Summer, T., & Wengler, J. (2026, im Druck). Immersive Virtual Reality in language teaching and teacher education. In J. Buchner & J. Paetsch (Hrsg.), Virtual Reality in der Lehrerinnenbildung.

Wissenschaftliche Publikationen

1. Ballis, A., Birkefeld, K., Block, P., Bruns, L., Gürtel, A., Hahn, S., Heyn, L., Muckel, K., Przybylka, N., Rotsch, T., Rudi, H., & Wiesche, D. (2026, im Druck). Extended Reality in der Lehrkräftebildung: Perspektive der sprachlichen, künstlerisch-gestalterischen und gesellschaftswissenschaftlichen Fächer, der Medienbildung und Medienwissenschaft im Kompetenzverbund lernen:digital. Positionspapier.

2. Ballis, A., & Hahn, S. (2026, im Druck). Virtual Reality als Lernraum gegen Diskriminierung: Antisemitismuskritische Bildung zwischen Empirie und Didaktik. In R. Boschki et al. (Hrsg.), Braucht Antisemitismusprävention empirische Forschung? Perspektiven für Bildung und Religionspädagogik. Münster.

3. Ballis, A., Hüttl, E. & Veeh, M. (2026). Vom Überleben in Zeiten der Verfolgung: Das Zeugnis von Ernst-Otto Krakenberger als KI-gestützter Chatbot, Praxis Deutschunterricht, 1/2026, 53-57.

4. Ballis, A., & Schwendemann, L. (2026). Language Beyond Words: Die Rolle von Virtual Reality bei der Vermittlung von Holocaust und NS-Verbrechen. In A. Ballis, A. Sosna, & D. Wrobel (Hrsg.), Praktiken der Erinnerung – Holocaust und Nationalsozialismus im Deutschunterricht der Zukunft. WVT., 223-237.

5. Ballis, A., & Schwendemann, L., in Zusammenarbeit mit Hahn, S., Hüttl, E., & Veeh, M. (2026, i. Dr.). Case studies: Erprobungsräume, um Antisemitismus zu erkennen und dagegen vorzugehen. In M. Schambeck et al. (Hrsg.), Handbuch Antisemitismus. Freiburg.

6. Ballis, A. Sosna, & D. Wrobel (Hrsg.) (2026), Praktiken der Erinnerung – Holocaust und Nationalsozialismus im Deutschunterricht der Zukunft. WVT

7. Ballis, A. Sosna, & D. Wrobel (2026). Wandel, Orientierung, Konsequenzen. Zur Einführung. In Ballis, A. Sosna, & D. Wrobel (Hrsg.) (2026), Praktiken der Erinnerung – Holocaust und Nationalsozialismus im Deutschunterricht der Zukunft. WVT, 1–11.

8. Ballis, A., & Ulfat, F. (Hrsg.) (2026, i. Vorb.). Antidiscriminatory Education. Theory, Perspectives and Empirical Evidence. Special Issue. Ristal.

9. Duda, F. (2026). Frag einfach alles, was du wissen willst.“ Schüler:innen interagieren mit dem Anne-Frank-Chatbot. In A. Ballis, A. Sosna, & D. Wrobel (Hrsg.), Praktiken der Erinnerung – Holocaust und Nationalsozialismus im Deutschunterricht der Zukunft. WVT, 239–252.

10. Hahn, S., & Veeh, M. (2025). Marc-Uwe Klings „Views“: Ein Thriller um KI und Deepfakes. Praxis Deutsch, 311, 59.

11. Hahn, S., & Veeh, M. (2026, im Druck). Marc-Uwe Klings Views: Wege zur Stärkung digitaler Textsouveränität im Literaturunterricht. In J. Standke & D. Wrobel (Hrsg.), DDG – Beiträge zur Didaktik der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. WVT.

12. Hüttl, E. (2026). Die Rolle der Moderation in der Bildungsarbeit mit interaktiven digitalen Zeugnissen. In A. Ballis, A. Sosna, & D. Wrobel (Hrsg.), Praktiken der Erinnerung – Holocaust und Nationalsozialismus im Deutschunterricht der Zukunft. WVT, 253-263.

13. Hüttl, E., & Veeh, M. (2025). “The message is that all people are equal.” A conversation with Ernst O. Krakenberger at end of the era of testimony. In A. Ballis, F. Duda, & M. Gloe (Hrsg.), Technology meets Testimony: Digital Pathways to Holocaust Survivors’ Biographies. Springer VS, 325–33.

14. Veeh, M. (2024). Ernst Otto Krakenbergers Geschichte von Verfolgung, Verlust und Verzeihen. Curt Magazin, 12/2024, 172–174.

15. Veeh, M. (2024). Toxische Sprachmuster identifizieren, reflektieren, überwinden: Angebote auf der Seite stopantisemitismus.de. Praxis Deutsch, 304, 60–61.

16. Veeh, M. (2025). „Die Tage sind gezählt.“ Bild-Textwelten von Daniel Blaufuks als Gegenstände für sprachliches, literarisches und mediales Lernen. Praxis Deutsch, 312, 62–63.

17. Veeh, M., & Wrobel, D. (2026). Comics, Graphic Novels und historisches Lernen: Varianten der Darstellung von Holocaust und Nationalsozialismus in Bild-Text-Verbünden. In A. Ballis, A. Sosna, & D. Wrobel (Hrsg.), Praktiken der Erinnerung – Holocaust und Nationalsozialismus im Deutschunterricht der Zukunft. WVT, 97–120.

Präsentation von Ergebnissen auf Konferenzen und in Vorträgen

2025

Anders, P., Ballis, A., Barbiel, J., Hahn, S., Hauck-Thum, U., Heizler, H., Demi, A., & Veeh, M. (September 2025). Deutschunterricht – digital – demokratisch. Symposium im Rahmen der Tagung „Digitale Transformation für Schule und Lehrkräftebildung gestalten“ des Kompetenzverbunds lernen:digital, Potsdam.

Ballis, A. (Mai 2025). Workshop Antisemitismuskritische Bildung, Universität Kiel.

Ballis, A. (Juni 2025). „Interaktive und immersive Medien in der Holocaust-Erinnerung: Didaktische Perspektiven am Beispiel des Projekts LediZ“, Universität Innsbruck.

Ballis, A. (September 2025). „Ja, aber ist das eine Aufgabe des Deutschunterrichts?“: Antisemitismuskritische Bildung im Deutschunterricht und in der Deutschdidaktik. Plenarvortrag auf dem Symposion Deutschdidaktik, Mainz.

Ballis, A. (Oktiber 2025). Eintauchen, Erleben, Erlernen – Virtual Reality an der Schnittstelle von Sprache, Literatur und Kultur im Deutschunterricht, Tagung des Argentinischen Deutschlehrendenkongresses, Universität Mendoza.

Ballis, A. (November 2025). Exploring Discrimination in Teacher Education in Germany –
Empirical Insights and Didactic Reflections
im Rahmen der Tagung Addressing discrimination through education: Interdisciplinary approaches and international perspectives, Münster.

Ballis, A., & Ulfat, F. (2.–4. November 2025). Addressing discrimination through education: Interdisciplinary approaches and international perspectives. Festsaal, University of Münster, Schlossplatz 5, Münster.

Ballis, A. (November 2025). Harmage and Hope: Holocaust Education im Horizont diskriminierungskritischer Bildung, Universität Leipzig.

Hahn, S. (November 2025). Decoding Discrimination in Virtual Spaces: Exploring the VR Environment ‘Down the Rabbit Hole’ im Rahmen der Tagung Addressing discrimination through education: Interdisciplinary approaches and international perspectives, Münster.

Hahn, S. (November 2025). Down the rabbit hole - Hidden Codes in Virtual Reality decodieren und dechiffrieren lernen, LMU München.

Hüttl, E. (Juni 2025): 3D-Entwicklung in der antisemitismuskritischen Bildung, HU Berlin.

Hüttl, E. (Juli 2025): Vorstellung aktueller Ergebnisse aus dem Projekt LediZ. Vorstellungen auf dem Workshop "Digital Holocaust Memory and Research – die großen Unbekannten von der Bereitstellung bis zur Nutzung“, Institut für die Geschichte der deutschen, München.

2024

Ballis, A., Hahn, S., Summer, T. (September 2024). Digitale Souveränität und immersive virtuelle Realität im Sprachenunterricht. Vortrag zu BNE und iVR im Fremdsprachenunterricht. Transfertagung lernen:digital, Potsdam, 01.10.2024.

Ballis, A. (November 2024). Language beyond words: The role of virtual reality in Holocaust narratives in German education. Vortrag auf der Lessons and Legacies Conference, USA.

Ballis, A. (November 2024). Translating tragedy: Educational approaches to Holocaust education. Vortrag auf der PAMLA Conference, USA.

Veeh, M. (2024). Antisemitismus im Klassenzimmer: Lehrkräfte stärken durch forschungsbasierte Rollenspiele. Vortrag im Rahmen der Tagung „Digitale Transformation für Schule und Lehrkräftebildung gestalten“ des Kompetenzverbunds lernen:digital, Potsdam.

2023

Ballis, A., Fleschütz, A., Hüttl, E., Marschner, L., Veeh, M. (Oktober 2023): Lehrkräftefortbildungen zwischen digitaler Textsouveränität und Global Citizenship Education. Posterpräsentation im Rahmen der gemeinsamen Auftakttagung der Forschungsverbünde DiSo und DiäS, Bamberg.