Lehrkräftekooperation im Kontext digitaler Schulentwicklung (Kokon)

Teilprojekt TP5 / Englisch

Kurz-Beschreibung und Ziele des Projekts

Zielgruppe: Englisch-Lehramtsstudierende und Englischlehrkräfte im Dienst

Themen: Evidenzbasiertes Diagnostizieren des Einsatzes digitaler Medien im Englischunterricht

Lernziele: In dieser Fortbildung wird eine englischdidaktische Erweiterung des DigCompEdu Observe (Oezsoy et al., 2024) vorgestellt. Mithilfe dieser evidenzbasierten Erweiterung lernen Englischlehrkräfte, die Qualität des Einsatzes digitaler Medien im Unterricht zu diagnostizieren. Auf Grundlage evidenzbasierter Kriterien für qualitätsvollen digitalen Englischunterricht analysieren und reflektieren die Teilnehmenden Unterrichtsvideos nach dem Ansatz der professionellen Wahrnehmung (Seidel & Stürmer, 2014).

Durch das gezielte Beobachten und Reflektieren von Unterrichtssituationen lernen die Teilnehmenden, Merkmale effektiven digitalen Englischunterrichts zu identifizieren und daraus Schlussfolgerungen für die eigene Praxis zu ziehen

Methode: Die Fortbildung kann online, hybrid oder in Präsenz durchgeführt werden. Durch die Arbeit mit Unterrichtsvideos wird gezielt die Diagnosekompetenz der Lehrkräfte – insbesondere ihre professionelle Wahrnehmung – gefördert.

Detail-Beschreibung

Das Projekt „KoKon – Lehrkräftekooperation im Kontext digitaler Schulentwicklung“ adressiert die drei Ebenen digitaler Schulentwicklung in ihrer wechselseitigen Verschränkung: Organisationsentwicklung, Personalentwicklung und Unterrichtsentwicklung. Um deren Beitrag zur gemeinsamen digitalen Schulentwicklung sowie ihr Zusammenwirken zu fördern, wurden in Kokon digital gestützte Tools und Modelle entwickelt, empirisch evaluiert und validiert, evidenzgestützt optimiert sowie an alle Akteure der Schulentwicklung in Deutschland disseminiert.

Dabei wird die Ebene der Organisationsentwicklung vor allem durch ein Tool zur Erstellung von Schulportraits adressiert, welche den Satus Quo von Einzelschulen als Grundlage datenbasierter Schulentwicklungsimpulse zu erfassen erlaubt, auch mithilfe einer eigenständigen KI-Komponente.

Am Standort München (LMU) wurden die Ebenen von Personal- und der (kooperativen) Unterrichtsentwicklung sowie die Technikentwicklung fokussiert. Hier stand die Entwicklung der simulationsbasierten Lernumgebung DigCompEduObserve im Mittelpunkt, einer Plattform zur Förderung der medien- und digitalisierungsbezogenen Kompetenzen von Lehrkräften. Die User:innen können hier die Beobachtung, Analyse und Beurteilung von digital gestütztem Unterricht in der Arbeit mit Unterrichtsvideos und anderen Praxisrepräsentationen erwerben und einüben, wobei sie durch interaktive Elemente, Expert:innenlösungen sowie mehrere KI-Komponenten unterstützt werden. Für die Simulation wurden zudem neben den im DigCompEdu ausgewiesenen überfachlichen auch fachspezifische Kriterien zur Beurteilung digital gestützten Unterrichts entwickelt und implementiert. Die in Kokon beteiligten Fachdidaktiken Englisch, Mathematik und Biologie konzipierten und produzierten zudem eine Vielzahl für den Kompetenzerwerb optimierter Praxisrepräsentationen, mit denen die User:innen im DigCompEdu einzeln und mit eigens dazu entwickelten kollaborativen Elementen (DigCompEduCollaborate) arbeiten können.

Wichtige Meilensteine und Ergebnisse

Das Projekt basiert auf etablierten Konzepten zur professionellen Wahrnehmung als Voraussetzung für wirksamen Unterricht (Seidel & Stürmer). Die Einübung dieser Wahrnehmung mithilfe videobasierter Formate hat sich als besonders effektiv erwiesen (Santagata, 2009) und wird durch Praxisrepräsentationen unterstützt, die der Komplexitätsreduktion realer Unterrichtssituationen dienen (Grossman et al., 2009). Die Core Practices of Teaching (Grossman, 2018) bilden dabei das inhaltliche Leitprinzip. Vor diesem Hintergrund knüpft das Projekt an die Simulation DigCompEdu Observe an, die professionelle Wahrnehmung im Kontext digitaler Bildung fördert (Oezsoy et al., in preparation; Oezsoy et al., 2024). Diese wurde englischdidaktisch weiterentwickelt, unter anderem durch ein Kompetenzstrukturmodell als Beobachtungsschema (Studie 1; KMK, 2023) sowie ein spezifisches Beobachtungsschema für digitalisierungsbezogenen Englischunterricht, dessen Struktur an das Syntheseframework von Praetorius et al. (2020) angelehnt ist.

Der Entwicklungsprozess folgte einem Design-Based-Research-Ansatz und umfasste die Erstellung sowie iterative Verbesserung von sieben Praxisrepräsentationen (geskriptete Unterrichtsvideos mit Lernenden, animierte Videos, Fortbildungsszenarien). Diese Materialien wurden in mehreren Entwicklungszyklen anhand empirischer Befunde und Rückmeldungen aus Lehrkräftefortbildungen sowie empirische Studien mit Lehramtstudierenden überarbeitet. Während der erste Entwicklungsdurchgang auf Core Practices of Teaching basierte, wurden die späteren Videos gezielt entlang fachübergreifender und englischdidaktischer Kriterien gestaltet, um die diagnostische Passung zu erhöhen und die Komplexität im Sinne lernförderlicher Salienzsteuerung (Chernikova et al., 2024) zu optimieren. Parallel wurde die englischdidaktische Erweiterung fachlich und empirisch validiert.

Es erfolgten zwei empirische Studien mit folgenden Zahlen und Befunden: Die Validierung des Prototyps erfolgte 2024 mit N = 69 Lehramtsstudierenden. Die Studie umfasste digital durchgeführte Wissenstests, die Bearbeitung bis zu vier Simulationen sowie die Erfassung von Beobachtungs- und Analyseperformanz. Die englischdidaktische wissensbasierte Analyse zeigte eine hohe Reliabilität (ω = .82), während die Beobachtungsperformanz erwartungsgemäß niedriger reliabel war (ω = .16). Prädiktive Validität konnte nachgewiesen werden: Beobachtungsperformanz sagte Analyseperformanz signifikant voraus (R² = .12). Zudem zeigte sich ein Zusammenhang zwischen englischdidaktischem Vorwissen und fachübergreifender Beobachtungsperformanz (R² = .10). Eine weitere Erprobungsstudie im Sommer 2025 mit N = 177 Studierenden bestätigte die Optimierungen der überarbeiteten Version. Ergänzend wurden qualitative Rückmeldungen aus mehrfachen Lehrkräftefortbildungen ausgewertet.

Die im Projekt entstandenen Ergebnisse umfassen (1) eine englischdidaktische Erweiterung des DigCompEdu Observe (digital, evidenzbasiert; Umfang: 4 Dimensionen, >20 Indikatoren), (2) sieben Praxisrepräsentationen (Videoformate, je 2–6 Minuten Länge), (3) eine simulationsbasierte Lernumgebung (digital, asynchron und synchron nutzbar). Die Zielgruppen umfassten Lehramtsstudierende, Referendar:innen, Englischlehrkräfte sowie Multiplikator:innen der Lehrerfortbildung. Evaluationsdaten umfassten Performanzmaße, Wissenstests, Logdaten sowie qualitative Rückmeldungen aus Workshops.

Insgesamt zeigt das Teilprojekt, dass simulationsbasierte Lernumgebungen, die fachübergreifende und fachspezifische digitale Kompetenzen integrieren, einen wirksamen Beitrag zur Professionalisierung von Englischlehrkräften leisten.

Relevante Materialien

a. Logo
b. Links, Dateien, Materialien für die Webseite, Digitale Medien, Videos

https://kokon.digital/
Praxisrepräsentationen
Link DigCompEduObserve Einführung: https://unterrichtonline.org/courses/kokon/dceo
Link Complett (Handreichung zum Fortbildungskonzept (DigCompEduObserve:Englisch):
https://lernen.digital/interner-bereich/mediathek-einreichungen/?article=9300562c-3004-11f1-9099-024796876430
https://unterrichtonline.org/courses/kokon/englisch

c. Entwickelte und verfügbare Lehr-Lernmaterialien

Link DigCompEduObserve Einführung: https://unterrichtonline.org/courses/kokon/dceo
Link Complett (Handreichung zum Fortbildungskonzept (DigCompEduObserve:Englisch):
https://lernen.digital/interner-bereich/mediathek-einreichungen/?article=9300562c-3004-11f1-9099-024796876430
https://unterrichtonline.org/courses/kokon/englisch

Projektleitung, Projektbeteiligte, Ansprechpartner:innen für Rückfragen

Beteiligte Personen:
LMU: Prof. Dr. Frank Fischer, Prof. Dr. Birgit Neuhaus, Prof. Dr. Christiane Lütge, Prof. Dr. Stefan Ufer, Dr. Monika Aufleger, Dr. Michael Sailer, Dr. Florian Schultz-Pernice, Dr. Juliane Aulinger
TUM: Prof. Dr. Eveline Wittmann, Prof. Dr. Claudia Nerdel, Dr. Susanne Miesera
BUW: Prof. Dr. Cornelia Gräsel, Prof. Dr. Kathrin Fussangel
Universität Hamburg: Prof. Dr. Freydis Vogel
Universität Münster: Prof. Dr. Ulrike Weyland, Dr. Wilhelm Koschel

Teilprojekt 5: Englisch LMU
Beteiligte Personen des Lehrstuhls:
Prof. Dr. Christiane Lütge
Dr. Michelle Stannard
Dr. Meral Roeben (Uni Augsburg)
Yasemin Erdemgil
Dr. Claudia Mustroph
Dr. Xiao Zhang

Ansprechpartnerin für Rückfragen: Sekretariat Lütge, sekretariat.luetge@anglistik.uni-muenchen.de

Publikationen

Roeben, M., Oezsoy, M., Lütge, C., Schultz-Pernice, F., Erdemgil, Y., & Zhang, X. (accepted). Foreign Language Teachers’ Professional Technology-Related Knowledge and Skills – A Subject-Specific Extension to the DigCompEdu Observe. In T. Summer, K.H. Gerholz, & R. Kaplan-Rakowski (Eds), Fostering Digital Competences in Social Sciences and Language Education. Taylor & Francis.

Roeben, M., Erdemgil, Y., Xhang, X., & Lütge, C. (Jahr). Entwicklung und Optimierung einer digitalen Lernumgebung zur Förderung professioneller digitalisierungsbezogener Fähigkeiten im Fachkontext Englisch. In F. Fischer, C. Gräsel, J. S. Haager, & F. Schultz-Pernice (Hrsg.), Digitale Schulentwicklung – Schulporträts, Lehrkräftekooperation und Unterrichtssimulation (pp. xx–xx). Waxmann. (Erscheint sehr whrs. Anfang 2027, wird noch editiert)

In Progress – Manuskript für die zweite TP5 Studie