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Das ZSePra wird 15

26.05.2026

Das Praktikumsamt des MZL bietet mit ZSePra Studierenden die Möglichkeit, eine Woche lang am Vorbereitungsdienst teilzunehmen.

2009 erschien eine Studie von Richard Sigel (damals LMU), in der Referendar:innen sehr kritisch auf die universitäre Lehrerbildung zurückschauten: Zu wenig Praktisches hätten sie gelernt, grundlegendes Handwerkszeug würde fehlen. Auch wenn man diese Sichtweise durchaus kritisch hinterfragen kann – denn gerade die LMU bietet sehr viel Praktisches an (zum Beispiel das Intensivpraktikum, Lehramt Pro und weitere Modelle, die den Bezug zum Handlungsfeld Schule stärken) – aus lernpsychologischer Sicht erscheinen die Aussagen verständlich: Wer – wie viele Referendar:innen – mit großen Herausforderungen zu kämpfen hat, sucht dafür externale Gründe.
Um diesem subjektiv empfundenen Manko etwas entgegenzustellen, entwickelte das Praktikumsamt des MZL im Gefolge das Modell „ZSePra“ (Zusammenarbeit Seminar – Praktikum): Studierende erhalten die Möglichkeit, eine Woche lang am Vorbereitungsdienst teilzunehmen. So können sie besser einschätzen, was von ihnen verlangt wird und danach verstärkt jene universitären Angebote auswählen, die sie auf die Zeit des Referendariates vorbereiten.

Nach einem Pilotjahrgang 2010 startete das Modell 2011 als Angebot an alle Lehramtsstudierende in Grund-, Mittel- und Förderschulen. Es bietet seither Studierenden, die sich im 2. Studienjahr in ihrem ersten großen Schulpraktikum befinden, die Möglichkeit, eine Woche im Praktikum zu fehlen und stattdessen am Vorbereitungsdienst teilzunehmen. Dazu bildet das Praktikumsamt Tandems aus je einem/einer Studierenden und einem/einer Referendar:in. In der „ZSePra-Woche“ begleiten die Studierenden der LMU ihre:n Referendar:in an drei Tagen in deren/dessen Einsatzschule und unterstützen sie/ihn im Unterricht, an zwei weiteren Tagen nehmen sie an den Seminarsitzungen, die von Seminarrektor:innen geleitet werden, teil.

Zwar ist der Arbeitsaufwand für das Praktikumsamt durchaus beachtlich – die Teilnahmebereitschaft bei Seminarrektor:innen und Referendar:innen muss jedes Jahr neu erhoben werden – der Erfolg zeigt aber, dass es sich lohnt. Die Resonanz ist sowohl bei unseren Studierenden als auch bei Referendar:innen sehr gut.

Gefragt wurden (und werden) nach jeder ZSePra-Woche sowohl die Studierenden als auch die Referendar:innen, ob die Teilnahme am Projekt hilfreich/interessant war, ob sie anderen eine Teilnahme empfehlen würden und ob das Projekt fortgesetzt werden sollte. Auf Basis dieser guten Ergebnisse wurde die benötigte Finanzierung des Projektes aus Studienbeiträgen (10% einer E 13-Stelle) auch immer wieder verlängert.

Einige typische Kommentare der teilnehmenden Studierenden am ZSePra-Projekt:

  • Es war eine sehr hilfreiche und interessante Erfahrung, jetzt schon mal einen kleinen Einblick in die Referendariatszeit zu bekommen. Vor dieser Woche konnte ich mir noch nicht wirklich vorstellen, wie das wohl werden würde – jetzt weiß ich schon viel mehr darüber und habe wenigstens einen kleinen Überblick!
  • Eine sehr schöne Erfahrung. Man bekommt einen guten Einblick ins Referendariat. Außerdem erkennt man die Theorie des Gelernten in der Uni hier in der Praxis wieder.
  • Ich bin sehr froh, dass das Praktikumsamt so ein tolles Projekt anbieten kann. Mir hat sowohl die Zeit in der Schule der Referendarin als auch die zwei Tage im Seminar sehr gut gefallen. Ich habe einen guten, wenn auch kurzen Einblick ins Referendariat bekommen und die "Angst" vor dem unbekannten zweiten Ausbildungsabschnitts ist vollkommen verflogen.

Einige typische Kommentare der teilnehmenden Referendar:innen am ZSePra-Projekt:

  • Es war sehr schön, dass Frau XY die Woche bei mir in der Klasse und auch im Seminar war. Ich denke, sie konnte einen guten Einblick in das Referendariat bekommen und ich hatte im Unterricht mit ihr auch eine weitere Unterstützung, was für die Kinder von Vorteil war. Der Kontakt wird auch in Zukunft bestehen und bei der bevorstehenden Lesenacht wird Frau XY mit dabei sein. Somit kann ich das ZSEPRA-Projekt nur als gut beurteilen und auf jeden Fall weiterempfehlen.
  • Ein enorm tolles Angebot, das auch für mich als Lehramtsanwärter bereichernd war. Ich finde es wichtig, dass unterschiedliche Institutionen (Schule, Seminar, Uni) sich öffnen und kooperieren!
  • Ich denke, dass es für beide Seiden eine „win-win“-Situation ist.

Mittlerweile kennen viele Referendar:nnen das Projekt schon aus ihrer Studienzeit und erklären sich auch deshalb bereit, Studierende zu betreuen. Auch die Bereitschaft bei Seminarrektor:innen ist sehr groß. Sie geht so weit, dass wir gar nicht alle mit Studierenden versorgen können. Ebenso das Interesse der Studierenden: seit 2011 haben insgesamt 1250 Studierende an diesem Projekt teilgenommen.

Um Studierenden auch die Teilnahme an beurteilten Unterrichtsversuchen im Referendariat zu ermöglichen, wurde 2017 das Projekt ZSePra Plus ins Leben gerufen: Nach individueller Absprache dürfen die Studierenden nach der ZSePra-Woche noch an 7 Einzeltagen am Seminarbetrieb teilnehmen, vorrangig an Tagen mit benoteten Unterrichtsversuchen der ReferendarInnen. So erfahren sie frühzeitig, worauf es bei beurteilten UVs ankommt und können sich im Praktikum gezielt darauf vorbereiten.

Natürlich gibt es aber auch noch Entwicklungsbedarf: Ein Versuch 2016, das Projekt auf die Lehramtsstudiengänge Gymnasium und Realschule auszuweiten, ist aus unterschiedlichen Gründen gescheitert. Vielleicht gelingt das auch noch eines Tages, wenn das ZSePra erwachsen wird ...

Clemens M. Schlegel, Leiter des Praktikumsamtes